Jugendliche sind normalerweise dauernd und wo es geht mit Freunden und Gleichaltrigen zusammen. Für mehrfach behinderte und schwer pflegebedürftige junge Menschen im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät ist das leider nicht so einfach. Um aus dem Haus zu kommen, brauchen sie stets eine qualifizierte Begleitung. Das sind in der Regel die Eltern. Doch welcher Jugendliche will schon mit Mutter oder Vater abends ins Kino, den Club oder nachmittags ins Szene-Lokal? Das Problem ist Rotraut Schiller-Specht vom Elternverein „Intensivkinder zuhause Niedersachsen“ bewusst. Deswegen hat sie kürzlich ein neues Projekt ins Leben gerufen. „Mit Freunden unterwegs – mittendrin statt außen vor“ soll schwer behinderten bzw. schwerkranken jungen Menschen Begegnungen mit Gleichaltrigen unabhängig von
den Eltern leichter machen. Wenn sie etwas unternehmen wollen, werden den Jugendlichen qualifizierte junge Betreuerinnen zur Seite gestellt. „Das sind ganz überwiegend Heilerziehungs-pflegerinnen, die in Hannover studieren und die wir aus früheren Aktionen kennen“, berichtet Rotraut Schiller-Specht. Die Betreuerinnen bekommen eine Aufwandsentschädigung für ihren Einsatz. „Sie wissen, was zu tun ist, auch in der Pflege. Deswegen vertrauen ihnen auch die Eltern unserer Intensivkinder. Das Loslassen ist für uns Eltern nämlich nicht immer ganz leicht – wir müssen da lernen.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer Freizeitaktion zahlen einen kleinen Anteil der Betreuungskosten sowie die Kosten der jeweiligen Aktion selbst. Wenn das Schwierigkeiten bereitet, versucht der Verein, die Kosten vollständig aus Spenden oder Einzelförderungen zu decken. Mehr Aktion! unterstützt das Projekt mit Zuschüssen.
„Mit Freunden unterwegs – mittendrin statt außen vor“ gibt es seit Januar 2016. Bisher nutzen das Angebot etwa zehn betroffene Jugendliche. Die Initiatorin geht davon aus, dass es in den Som- mermonaten noch mehr werden. Die Jugendlichen sind bisher absichtlich meistens in kleinen Gruppen zu zweit, zu dritt oder zu viert unterwegs, jede und jeder jeweils mit einer Begleitperson. Zusammen waren sie im Kino, bei einem Straßenfest, im Zoo oder zum Shoppen in der Stadt – mit anschließendem Besuch eines Clubs oder einer Eisdiele – „wo eben ein bisschen Musik und Trubel ist“, sagt Rotraut Schiller- Specht.
Auch das Frühlingsfest in Hannover haben drei Gruppen besucht – vor allem wegen der interessanten Atmosphäre dort und um sich das bunte Treiben einfach mal anzusehen. „Es sollen aber von einigen Mutigen auch Karussells genutzt worden sein“, schmunzelt Rotraut Schiller-Specht.
Für den Sommer ist schon lange im Voraus ein gemeinsamer Konzertbesuch geplant – wie zu erwarten nicht Klassik, sondern ein Open-Air-Event mit dem bei den Jugendlichen beliebten Deutsch-Rapper „Cro“. Zu dem Termin könne die Gruppe dann schon mal größer werden, vermutet die Vereinsvorsitzende.