Mehr Aktion! mit Butze im Interview

Butze 22 mit neuer Leitung

Die Butze 22 in Hannover-Bemerode ist ein offener Treffpunkt für Kinder von 6 bis 14 Jahren. Täglich kommen rund 80 Kinder meist aus der Gegend in die Butze. Der Treff führt Freizeiten, Schwimmkurse und Ferienpass-Aktionen durch – unterstützt von Mehr Aktion! Träger ist der Jugendverband der Evangelischen Freikirchen Hannover e.V. Entscheidend für die Qualität der Arbeit ist jedoch auch die Leitung, die jüngst neu besetzt worden ist: Seit Dezember 2025 führt Dipl. Psychologin Inga Singin die Geschicke der Einrichtung. Mehr Aktion! hat mit ihr über ihre Pläne gesprochen.

Mehr Aktion!: Frau Singin, Sie sind Ende letzten Jahres zur Butze gestoßen, wie ist es dazu gekommen?

Inga Singin: Es war Zufall. Eine Freundin erzählte mir, dass die Butze Unterstützung sucht. Da mich die offene Kinderarbeit schon immer interessiert hat und mich gerade der Brennpunkt in meinem Berufsleben immer am meisten positiv gefordert und geprägt hat, war mir schnell klar, dass die Butze etwas für mich sein könnte.

Bringt viele Ideen mit: Inga Singin ist neue Leiterin der Butze22

Wie gefällt Ihnen die Arbeit in der Butze, was ist besonders?

Inga Singin: Die Butze ist für mich kein gewöhnlicher Arbeitsplatz, sondern ein Ort an dem ich mich wohl fühle. Schon am ersten Tag haben mich die Kinder mich offenen Armen empfangen und den Einstieg erleichtert. Aufgefallen ist mir die große Bereitschaft der Kinder mitzuwirken! Es wurde aufgeräumt, geputzt und umgestellt. Alle haben sich eingebracht. Klar gibt es mal Streitereien, aber das Zusammengehörigkeitsgefühl überwiegt. Besonders das Team aus Ehrenamtlichen, die mit Herzblut unterstützen, möchte ich hervorheben. Ohne sie wäre der Betrieb nicht aufrecht zu erhalten!

Was ist Ihnen bei der Arbeit mit den Kindern wichtig?

Inga Singin: Aktuell arbeiten wir an verlässlichen Strukturen, die vielen Kindern zuhause fehlen. Feste Spielzeiten, Essenzeiten, Lernzeiten. Allein den Ablauf unserer gemeinsamen Mahlzeit haben wir schon mehrfach umgestellt, damit alle zufrieden sind. Die Kinder wünschen sich Verlässlichkeit und Einbindung. Versprechungen müssen verlässlich umgesetzt werden, damit unsere Kinder Vertrauen erfahren und bereit sind, sich ebenfalls einzubringen.
Unsere Aktionen wie Hochseilgarten, Pferdepädagogik, Schnupperschwimmen, Skaten, Tonstudio, Karaoke, Kochen, Mädchenparty, Theaterproben (…) werden sehr gerne angenommen – und ohne Ehrenamtliche nicht umsetzbar. Leider sind die Plätze immer begrenzt. Es ist eine Herausforderung, sie fair zu verteilen, da wir immer mehr Kinder mitnehmen möchten, als Plätze vorhanden sind. Aber auch das meistern wir gemeinsam mit den Kindern, die hier große soziale Kompetenz an den Tag legen.
Stolz sind wir auch auf die Freizeiten, die wir bisher anbieten konnten. Denn für die Kinder ist es immer etwas Großartiges, auf Reisen zu gehen.

Wie ist Ihre Vision für die Zukunft der Butze, inwieweit wird sie Ihre Arbeit bestimmen?

Inga Singin: Ich glaube, dass es hier schon sehr gut läuft. Natürlich gibt es Luft nach oben, aber sehr vieles konnte schon umgesetzt werden. Ein großes Ziel ist, die Hausaufgabenhilfe und Lernförderung weiter auszubauen, denn eine gute schulische Bildung ist fundamental. Viele unserer Kinder haben grundlegende Schwierigkeiten, die in der aktuellen Hausaufgabenhilfe nicht behoben werden können. Der Zulauf an Kindern ist sehr groß, aber mit unserem Betreuungschlüssel von 4:1 ist es schwer, adäquat zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit Eltern und Schule wird immer besser, doch stoßen wir oft an sprachliche Grenzen und Bürokratie.

Oft hätte ich mehr Zeit für Einzelgespräche, da ich weiß, dass der Bedarf sehr hoch ist, sich einfach mal auszusprechen und gehört zu werden. Das ist für mich gerade als einzige hauptamtliche Kraft sehr schwierig, da die tägliche Zeit begrenzt ist. Die Bedürfnisse der Kinder sind wegen ihrer unterschiedlichen Persönlichkeiten und Hintergrundsituationen sehr unterschiedlich. Leider kann ich sie oft nicht so befriedigen wie ich es wünsche und für mich beanspruche. Da muss ich lernen geduldiger zu werden, trotzdem werde ich an der Vision festhalten, dass wir dazu beitragen, dass die Kinder im Spargelacker die gleichen Chancen und Möglichkeiten bekommen wie viele andere Kinder auch.