Ob sicherer Spielort, Austausch oder fachliche Beratung: Als kostenfreier, geschützter Treffpunkt für Familien mit autistischen Kindern ist das Elterncafé Curcuma im Autismuszentrum Hannover (AZH) eine Anlaufstelle, die ihresgleichen sucht. Es bietet den betroffenen Familien Raum, um ohne gesellschaftlichen Rechtfertigungsdruck durchzuatmen und Kontakte zu knüpfen. In unserem letzten Newsletter haben wir Birte Müller interviewt, die Projektleiterin vom Curcuma ist. Jetzt hat sie uns von einem „alten-neuen“ Projekt berichtet – dem Elternlotsinnenprojekt, das im Mai 2026 endlich umgesetzt werden konnte: Erfahrene, mit dem Elterncafé vertraute Eltern autistischer Kinder, aktuell vier Frauen, unterstützen Eltern, die neu ins Elterncafé kommen. Sie hören ihnen zu, fühlen sich in ihre Lebensgeschichten ein, ermutigen sie.
Wie kam man auf die Idee? Erstmals entstand der Gedanke 2024, damals Elternpaten genannt. Das Curcuma hatte sich schon etabliert. In Fachkreisen und unter Betroffenen hatte es sich als erste Anlaufstelle herumgesprochen. Zuspruch kam auch von Familien, die noch ohne Hilfen von Stadt und Region, also unversorgt waren. Dies führte zu einer wachsenden Nachfrage, die bis heute anhält. Daher brauchte es neue Lösungen.
„Nach nun sieben Jahren bewährter Elterncaféarbeit sehen wir in dem Café eine kompetente Elternschaft, die sich stetig weiterentwickelt. Wir nehmen Ressourcen wahr, die sich aus den Erfahrungen und durchlebten Emotionen hinsichtlich der eigenen Geschichte ebenso speisen, wie aus Fähigkeiten und beruflichen Qualifikationen, die zumeist aufgrund der familiären Situation bis dato verborgen geblieben sind“, so Birte Müller. Hier ist eine Gemeinschaft zusammengewachsen, in der Eltern die Curcuma-Kultur aktiv mitgestalten wollen. „Was liegt näher, als diese Motivation aufzugreifen? Die neue Aufgabe unserer Fachkräfte ist dabei, dieser Entwicklung einen schützenden, nicht überfordernden Rahmen zu geben“, so Birte Müller.
„Das Eltern, ihre beruflichen Qualifikationen oder selbst erworbenen Fähigkeiten in das Café einbringen, war ein erster Schritt“, so Müller. Wie aber geht das, wenn Kompetenzen aus den Erfahrungen der eigenen Betroffenheit resultieren? „Für uns schien es ein guter Weg, die Eltern, die schon länger ins Café kommen, zu fragen, ob sie sich die Aufgabe als Elternlotsen vorstellen können. Wir ahnten noch nichts von der Dimension dieser Frage für Eltern, die bis dato immense Energie in ihr Kind investiert, aber dafür wenig gesellschaftliche Anerkennung erfahren haben. Kann ich das überhaupt? Mache ich es richtig? (…) und ähnliche Fragen prägten die ersten Gespräche“, so Müller. Das zeigte, dass die Lotsinnen durch die Fachkräfte begleitet werden mussten. „Zwei Monate später gibt es nun erste Erfahrungen. Wir waren erstaunt mit welcher Ernsthaftigkeit die vier Frauen ihre Aufgabe angenommen hatten, welche Fragen sie bewegten. Für Vieles haben sie selbst Lösungen gefunden, das Projekt hat sich entwickelt“, so Müller.
Die Vier erkennt man nun an orangenen Westen, Aufschrift „Elternlotse“. Sind sie privat, d.h. nur als Eltern da, ziehen sie die Westen einfach aus. Die Lotsinnen sind wie das Café selbst zeitlich begrenzt: Nach der Saison übernehmen andere Eltern die Lotsenrolle.
